BRIEFE ERFOLGREICH ZUGESTELLT...oder WIE AM SCHNÜRCHEN...

 

"Das Kindlein aber wuchs und erstarkte, erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade war auf ihm. Und seine Eltern gingen alljährlich am Passahfest nach Jerusalem. Und als er zwölf Jahre alt war und sie [nach Jerusalem] hinaufgingen, nach der Gewohnheit des Festes, und die Tage vollendet hatten, blieb bei ihrer Rückkehr der Knabe Jesus in Jerusalem zurück; und seine Eltern wußten es nicht. Da sie aber meinten, er sei unter der Reisegesellschaft, kamen sie eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten; und als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn...

 ...Und es geschah, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel, wie er inmitten der Lehrer saß und ihnen zuhörte und sie befragte. Alle aber, die ihn hörten, gerieten außer sich über sein Verständnis und seine Antworten. Und als sie ihn sahen, erstaunten sie; und seine Mutter sprach zu ihm: Kind, warum hast du uns also getan? siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ist es, daß ihr mich gesucht habt? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen redete. Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth, und er war ihnen untertan. Und seine Mutter bewahrte alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit und an Größe, und an Gunst bei Gott und Menschen."

Lukas Kapitel 2, 40 - 50

"Und das Kind wurde stark und wuchs."  

Wieviel Kindheit ist in diesem einen Satz verpackt...?

 

Vor einigen Tagen haben wir die Fotos unserer Kinder durchgeschaut.

Wir haben zwei Boxen voll mit Familienfotos, die noch nicht eingeklebt sind, noch nicht den Weg in ein Fotoalbum gefunden haben,

weil wir - und das mag angesichts der Tatsache, dass unser ältestes Kind 21 Jahre alt ist, lächerlich klingen -

nicht die Zeit gefunden haben, uns darum zu kümmern.

 

Schnappschüsse, Geschichten, Erinnerungen.

Mit vielen Jahren Abstand zwischen Aufnahme des Bildes und heute.

Man hätte damals vielleicht schon absehen können,

wie sich unsere Kinder einmal entwickeln würden.

Da gibt es Bilder, die abgesehen vom Alter und der Größe auch heute noch passen.

Das Lieblingsessen in der Hand, dieser eine schelmische Blick, diese klitzekleine Macke,

die auch heute noch da ist...

 

Mit zwölf Jahren hat man schon eine kleine Ewigkeit auf dieser Erde verbracht und endlich in die Welt der Erwachsenen,

der Großen zu schauen, ist das größte Ziel.

So lange aufbleiben wie Mama und Papa, nicht nur die Schuhe allein binden können,

sondern selbst bestimmen, was man anzieht. Zeigen können, was in einem steckt.

 

Mit dreizehn ist man schon Teenager und eilt mit großen Schritten der Selbstbestimmung entgegen.

Die Volljährigkeit vor Augen, das erste eigene Auto, Berufswünsche und Partnerwahl

...der Prinz auf dem weißen Pferd, auf den jedes kleine Mädchen schon so lange wartet...

 

Wie mag das gewesen sein? Damals bei Jesus?

Was waren seine Träume, seine Visionen?

Traumjob: Zimmermann?

 

Wann hat er zum ersten Mal gespürt, dass da etwas anders läuft bei ihm,

anders als bei den anderen Kindern seines Alters, in seiner Gegend?

Abgesondert aus der Umgebung, dem Alltäglichen.

Andere "Homezone" sagen meine Kinder dazu.

Aus dem inspirierten Wort wissen wir, dass dieses Kind etwas Besonderes war.

 

Von Maria und Josef erfahren wir, dass sie, wie es ihre Gewohnheit war,

mit ihrer Familie, denn Jesus war schliesslich kein Einzelkind, wie die Bibel berichtet,

das Passahfest besuchten und auch noch in Jerusalem waren

bis die Zeit der ungesäuerten Brote vorüber war

und sie sich dann auf den Weg nach Hause machten. 

Irgendwann muss es passiert sein, dass sie Jesus aus den Augen verloren.

Sicherlich, so nahmen sie an, war er mit Verwandten oder Freunden auf dem Heimweg.

Was anfangs so selbstverständlich schien, sollte sie bald in Aufruhr versetzen...

In der Annahme, dass ihr Jesus, Marias Herzenskind, mit den Freunden ging, vielleicht bei Verwandten,

schritten sie unbekümmert den Weg nach Hause, plaudernd über die Geschehnisse,

die wunderbare Zeit, die nach dem Fest hinter ihnen lag.

 Es war nichts ungewöhnliches,

Jesus dürfte oft bei seinen Freunden oder Verwandten gewesen sein.

Doch nun sollte diese Annahme eine dramatische Wendung erfahren.

Jesus, das Himmelskind unterwegs verloren...

 

Ich glaube jeder hat diesen Moment schon einmal erfahren:

Papa oder Mama plötzlich weg.

Die Hand des Kindes, die eben noch in deine griff, verloren.

Panik und Entsetzen - als Maria und Josef feststellten,

dass sie ihren Erstgeborenen verloren hatten.

 In diesem Augenblick wussten sie nicht, dass ihre Suche nach ihm drei Tage beanspruchen würde.

Drei Tage Suchen für einen kurzen unbedachten Moment.

Man sollte annehmen, dass die Tempelhallen nach den Feierlichkeiten der letzten Tage nun wie leergefegt sein sollten.

Aber auch hier gilt, wie nach jedem Fest, nach jedem Gottesdienst.

Es gibt immer noch Dableiber:

die Aufräumer, die Reder, die Umarmer, die Einsamen, die Etwas-zu-sagen-haber,

die Stehenbleiber, die Zeit-haber...

Und auf genau diese bunte Schar trifft Josef mit seiner Familie auf der Suche nach Jesus.

Klar schallt die Stimme seines Sohnes durch die Hallen.

Gebannt lauscht man seinen Worte, so etwas hat man noch nicht erlebt. 

Über so ein Kind ist noch nicht berichtet worden! Oder doch?


Aufzeichnungen, Berichte gab es zur Genüge.

Über so viele Jahre hinweg füllten Federn Schriftrollen, mit dem was er der Himmel zu diktieren hatte.

Sehnsucht flammte in Menschenherzen auf nach dem Einen, der Menschenherzen berührt, ihnen nahe kommt.

War nicht auch das Passahlamm, die gerade erlebte Festzeit Ausdruck dessen, worauf die Seele wartet?

Jedes einzelne Lamm, dass bisher geopfert wurde ein Zeichen dessen?

Dieses Lamm, dass vom ersten Buch der Bibel bis zum letzten immer wieder erwähnt wird.

Wie wertvoll diese Zeilen sein müssen, können wir nur erahnen. 

Ist die Bibel nicht der Liebesbrief eines Vaters, den er schon vor der Geburt seines Kindes geschrieben hat?

Ein Brief, mehrere Schriftrollen lang, gehütet und verteidigt wie ein Schatz,

damit es den erreicht, dem diese Zeilen gelten.

Was hat Jesus empfunden als er mit den Gute-Nacht-Geschichten seines Volkes in den Schlaf gekuschelt wird?

Welche Gedanken hatte er als er Jahre später seiner Mutter antwortet:

"Warum habt ihr mich gesucht? Wisst ihr nicht, dass ich bin, wo mein Vater ist?" 

War das Anmaßung?

Er war doch des Zimmermanns Sohn!

Und dann war da noch der Brief des Vaters...

Wenn ich mir vorstelle, dass meine Gedanken mit jedem weiteren Tag meines Lebens

zum Himmel gezogen werden und ich merke,

dass jedes dieser Worte, die ich schon als Kind gehört habe,

tatsächlich mir gelten, dann werde ich vor eine Entscheidung gestellt.

Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander heisst es...

Die Begebenheit im Lukasevangelium endet mit den Worten:

"Und Jesus nahm zu an Weisheit und Größe, und an Gunst bei Gott und den Menschen."

Und dann war da noch der Brief des Vaters...

Ich wiederhole mich, ich weiss.

Jesus liess den Erklärungen seines himmlischen Vaters Raum.

Er gab den Gedanken nach, liess sie in sich keimen,

wachsen und nahm zu an Weisheit, Größe und Wohlgefallen.

Wieviel Mut gehört dazu, zu erkennen,

dass er dieser Reiter auf dem weißen Pferd sein würde

auf den die Prinzessinnen der Erde schon immer gewartet haben?

Die Hoffnung der Zeitalter. Der Freund der Fischer.

Das Lamm, das geschlachtet ward vor Grundlegung der Erde...

 

Einen Nabelschnur zum Himmel!

Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum die Nabelschnur eines Ungeborenen

mit einem Blutgefäß zum Baby reicht und mit zwei Blutgefäßen zurück führt?

 

 

Der Vater des Universums sendet seinen Sohn aus,

nicht nur damit dieser um seine Identität weiß und zurückfindet,

sondern damit er den Weg zurück nicht allein antritt. 

 

 

"...eine dreifältige Schnur reißt nicht leicht entzwei." Prediger 4, 12

 

Und dann war da noch der Brief deines Vaters... 

...aber das ist eine andere Geschichte. Deine...

 

Wenn du dich mutig auf diese Reise begibst, dann frag nicht die nach dem Weg,

die ihr Haus nie verlassen haben.

 

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