WENN LENI HUNGER HAT-VOLL EINGESCHENKT...

Ich habe aufgehört zu zählen. Der Hund klebt heute an mir. Schon wieder schaut sie mich erwartungsvoll an und versucht meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Unser Spaziergang liegt gerade einmal eine Stunde zurück, der Hund muss also garantiert nicht Gassi gehen, der Kamin ist an und bis vorhin lag sie noch, wohlig alle Viere von sich gestreckt, davor. Was will sie denn nur?, frage ich mich. Und das frage ich sie auch. Doch der Hund antwortet nicht - schaut nur.

Später dann, die Waschmaschine läuft, die Wohnung ist aufgeräumt, nur noch ein paar Dinge muss ich noch erledigen, schleicht sie mir schon wieder um die Beine, steht mitten im Weg, so wird das nie was, ich werde so nicht fertig. Fast stolpere ich über sie. Mittlerweile hat sie sich strategisch mitten im Flur lang ausgestreckt und schaut mich an, ein leises Winseln und ein sehnsüchtiger Blick kommt mir entgegen.

Oh Mann - das Futter! Darum nervt sie so! Ich habe tatsächlich vergessen, den Fressnapf aufzufüllen... 

Eine liebe Freundin erzählte mir vor ein paar Tagen, wie anstrengend der Alltag mit Kindern ist. Ihre Kinder sind nicht mehr ganz so klein und doch sagt sie, hat sie schon lange nicht mehr die Zeit für eine regelmäßige Andacht ganz für sich allein. So wie früher. Das kam mir bekannt vor. Wie neidisch war ich auf meinen Mann als er sich jeden Morgen seine Stille Zeit nahm. Zwischen Windeln, Stillen und Kinderstimmen war ich nicht in der Lage, auch nur an einen ruhigen Moment zu denken. Das heißt nicht, dass es diese Augenblicke, vielleicht waren es eigentlich Stunden, nicht gab. Meine Prioritäten hatten sich verschoben. Die Zeit mit meinem himmlischen Vater ganz für  mich hatte ich dabei irgendwie aus den Augen verloren. Die Andachtszeit mit unseren Kindern war die Möglichkeit, ihm wieder zu begegnen. Nicht selten habe ich die Berichte der Bibel erst durch die Fragen meiner Kinder mit anderen Augen sehen können. Meine zweite Chance, um angesprochen zu werden, neu zu erfahren. 

Gott begegnete mir zu dieser Zeit mitten im Alltag, in den unbedeutenden Situationen rief er nach mir. Auf der Suche nach einem Parkplatz sprachen wir nun unsere Gebete. Das lang ersehnte Spielzeug ausverkauft...Stoßgebet zum Vater, Schnupfnase und aufgeschlagenes Knie...Vater bitte mach mein Kind wieder heil und gesund, nimm den Schmerz. Aus sechs Meter Höhe beim Versuch, den Fußball aus der Baumkrone zu retten, im freien Fall kopfüber nach unten, mir stockte der Atem......ein Engel jetzt bitte, sofort hierher...die Worte im Herzen geschrien erreichen himmlische Helfer, nicht anders ist es zu erklären, dass sich unser Ältester mit dem Turnschuh in einer Astgabel verfängt und vom Papa wie ein reifer Apfel vom Baum gepflückt wird. Nur der Rücken ein wenig aufgekratzt. Wer Kinder hat, glaubt nicht mehr an Zufälle. Zeit für den Unterricht in der Musikschule, wir sind wieder viel zu spät dran, bis drei Kinder verpackt sind, dauert es. Wo ist der Autoschlüssel? Nicht auch das noch! Suchen ist zwecklos. Zu viert beten wir, anschließend führt mich die Kleinste zum Kleiderschrank. In der Sockenschublade finde ich den Autoschlüssel, niemals hätte ich da geschaut. Schlimmer wäre nur die Riesenbox mit den Legosteinen...

Meine Gedanken dem Himmel zuzuwenden, war für mich an das Gebet des Gewinners in der Frühe des Tages gebunden, den Alltag mit einem Bibeltext und Gebet zu umrahmen, morgens und abends entsprach meiner Wahrnehmung eines vorbildlichen Christen. Erst am Abend, wenn der Tag bereits gelaufen war, müde den Kopf auf dem Kissen, war das Gebet eines Verlierers, so dachte ich, und so wurde es mir beigebracht. Oft plagten mich Schuldgefühle und ich nahm mir vor, es besser zu machen. Ich sah die Leere, das, was ich nicht geschafft hatte und raffte mich mit der Bitte um Vergebung erneut auf, um zu siegen, mein Leben zu ordnen und gewissenhafter zu sein.

Heute kann ich lächeln, wenn ich darüber nachdenke, nicht weil es lächerlich war, im Gegenteil, es schmerzte, tat unglaublich weh. Wenn ich heute darüber lächle, dann weil ich weiß, dass jeder meiner Tage bereits in Gottes Händen ruht und mich nichts von ihm trennen kann. Wie unzulänglich ich war, wurde mir im Vergleich mit anderen bewusst. Es kam die Zeit, wo ich resignierte und alles abgab. Das Kämpfen, das Ringen, das Perfektsein müssen. Ich war es nicht. Und dann war er da. So präsent wie noch nie in meinem Leben. In jedem Moment, jeder Situation spricht er zu mir. Nehme ich es wahr? Bin ich offen für das, was ich heute erkennen darf? Feste Andachtszeiten? Ja und nein. In der vollständigen Verbundenheit gibt es besondere Zeiten, die mittendrin in allem liegen. Vormittags, nachmittags. Immer dann, wenn das Leben tobt, ruft er mich heraus. Und dann sind da die kleinen Momente...wie die mit dem Hund.

Zufrieden liegt sie nun im Hundebett und mir wird klar, wie klug unser Hund eigentlich ist. 

Statt den leeren Fressnapf anzustarren, kommt sie zu mir. Macht sich bemerkbar, nervt mich, bedrängt mich. Sie weiß, dass ich es bin, der das Futter gibt. Meine Hand füllt den Fressnapf. Ein paar Krümel zeugen noch von der letzten Mahlzeit, gibt dem Hund die Sicherheit, dass das Futter auch heute wieder im Napf sein wird.

 

"Ich bin der Herr, bin dein Hirte, dir wird nichts mangeln. ...ich bereite vor dir einen Tisch im Angesicht deiner Feinde. Ich salbe dein Haupt mit Öl und schenke dir voll ein." Psalm 23 

 

Wie oft drehe ich mich noch im Kreis, starre das Problem an und versuche das Warum zu ergründen. Vor ein paar Tagen erreichte mich dieser Spruch: "Im Gebet lösen sich nicht alle Probleme, aber im Gebet löse ich mich von allen Problemen." Ich darf meinen Vater bedrängen, ihn erinnern, obwohl er mich niemals vergessen hat. Das sagt sich so leicht. Es ist der Alltag, der unseren Charakter entwickelt, der zeigt, ob wir wirklich verinnerlicht haben, was wir erkennen durften. Jesus sprach in Gleichnissen, in Geschichten, erzählte vom täglichen Leben, weil sich hier zeigt, was uns bestimmt.

"Die Gleichnislehren des Heilandes machen deutlich, was echte "höhere" Bildung ist. Christus hätte den Menschen wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse vermitteln und Geheimnisse offenbaren können, zu deren Ergründung viele Jahrhunderte mühseliger Forschung nötig gewesen sind. Er hätte ihnen gelehrte Hinweise geben und so bis zum Ende aller Tage das naturwissenschaftliche Denken und den Erfindergeist des Menschen maßgeblich befruchten können. Aber Christus ging es nicht darum, bloßen Wissensdurst zu befriedigen oder menschlichem Ehrgeiz zu weltlichem Ruhm zu verhelfen. Vielmehr brachte er durch seine Verkündigung den Geist des Menschen mit dem Geist des Unendlichen in Berührung. So empfahl er seinen Zuhörern nicht, irdische Theorien über Gott, sein Wort und Werk zu studieren, sondern forderte alle dazu auf, die Gegenwart Gottes in seiner Schöpfung, seinem Wort und fürsorglichen Wirken zu erkennen. Christus vermittelte also keine graue Theorie, sondern das, was den Charakter bildet, unsere Gotteserkenntnis vertieft und uns dazu befähigt, immer mehr Gutes zu tun. Er sprach über Wahrheiten, die die praktische Lebensführung ebenso berührten wie die Ewigkeit." {BRG}

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    * (Dienstag, 20 Dezember 2016 20:17)

    Was zum Nachdenken... Danke!