Alternativen zu herkömmlichen Waschmitteln, Körperpflege und Kosmetik...

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, seine Kleidung mit Kastanien zu waschen? Immer wieder sind wir bei unserer Recherche in Sachen Naturheilmittel und Kräuter über alternative Seiten gestolpert. Selbstversorgerexperimente, sparsame Hausfrauentips und das, was schon den Alltag unserer Großeltern erleichterte, brachte uns zum Nachdenken.

 

Zum allerersten Mal mussten wir unsere tägliche Wäsche allerdings überdenken als wir vor drei Jahren nachts um zwei mit Polizei, Feuerwehr und Megaphon davor gewarnt wurden, unser Trinkwasser zu nutzen. Durch eine Verunreinigung von Seiten des Klärwerks war das Trinkwasser für unseren Landstrich gesundheitsschädlich geworden. 

 

Alle Wasserhähne im Haus wurden von uns mit Hinweisschildern markiert, die nicht nur die Kinder, sondern auch uns daran erinnerten, nicht wie gewohnt den Hahn aufzudrehen. Wie oft uns das aus Gewohnheit dennoch passierte, könnt ihr euch kaum vorstellen. Mal eben ein Glas Wasser zum Trinken, die Zahnbürste unter den Wasserstrahl im Bad gehalten (die flog dann anschliessend in den Mülleimer), der Schritt in die Dusche (nur um sich anschliessend wieder anzuziehen, denn auch Duschen war verboten) ...

 

Uns wurde mit einem Schlag bewusst, wie abhängig wir vom Wasser sind. 

Unser Trinkwasser besorgten wir in dieser Zeit kanisterweise bei Freunden, deren Wasser nicht betroffen war. Unsere Wäsche mussten wir im Landkreis spazieren fahren und bei Bekannten waschen. Es war Hochsommer und wir waren dankbar, im See baden zu können.

 

Und waschen? Zum ersten Mal wurde uns bewusst, wie bedenklich unsere Körperpflegemittel sind. Mal eben Haarewaschen im See und dabei die Flora und Fauna unseres Lieblingsbadeplatzes auszulöschen, war kein guter Gedanke. Auf der Suche nach biologisch abbaubaren Alternativen aus dem Reformhaus oder Bioladen traf uns fast der Schlag.            

Autsch-war das teuer! Trotzdem, wohl oder übel griffen wir zu und verlegten die tägliche Körperwäsche auf den Abend am See. Der Gedanke dabei beobachtet zu werden und daran, dass wir umgeben von einer Schaumkrone im Wasser standen, war kein guter... : /

 

Wie dem auch sei, irgendwie überstanden wir die Zeit. Was aber blieb, war das Gefühl, dass wir hier etwas für uns tun sollten. Auch biologische Waschmittel stecken in Verpackungen, die unsere Umwelt belasten. Einen genauen Einblick darüber, wie wahnsinnig wir mit Plastik umgehen, gibt der Film "Plastic Planet", auch die Dokumentation "Plastik, ein langfristiges Problem" schildert, wie sehr wir eigentlich unter unserem Verhalten im Umgang mit Verpackungsmüll leiden, schon jetzt, und zukünftig wird das nicht weniger.

 

 

Und da stehen wir. Nach einigen immerhin erfolgreichen Versuchen im letzten Jahr, Rezepte dazu findet ihr hier, einige unserer Pflegemittel wie zum Beispiel Körperöle, Seifen, Cremes und Lippenpflegesalben (der Zitronenmelisselippenpflegestift, tolles Wort, war mein Durchbruch, den Heilungs- und Linderungswert bei Herpes mal ganz außer Acht gelassen) selbst herzustellen, wagten wir uns nun mutig einen Schritt weiter. Was nun folgt sind einige Anregungen und Anleitungen für euch und interessante Links und Onlineseiten zum Thema autark, verträglich und umweltbewusst beim Waschen.

Die Verwendung von Waschnüssen ist mittlerweile nichts Neues mehr. Wer als Ökomensch etwas auf sich hielt, wusch seine Wäsche schon vor Jahren mit indischen Waschnüssen. Was jedoch neu ist, ist die Problematik im Land der Waschnüsse: Da der Absatz ins Ausland derart gestiegen ist, ist es für die ansässige Bevölkerung fast unerschwinglich geworden, damit Wäsche zu waschen, sie müssen dann auf billige, allerdings chemische Waschmittel zurückgreifen. Das kann nicht Sinn und Zweck sein.

 

Wir sind uns sicher, dass unser Schöpfer die Saponine, die die chemische Grundlage der Waschkraft sind, nicht  nur in indische Waschnüsse, sondern auch in heimische Gewächse gelegt hat. 

Und so ist es auch: Kastanien, Efeublätter, Birkenblätter und nicht zu letzt wie es der Name schon aussagt, das Seifenkraut. Wer sagt's denn!

 

Teil 1: Kastanien als Waschmittel

Variante 1:

Auf der Seite von Vany Wastelandrebel wird sehr anschaulich erklärt, wie man mit einfachen Mitteln sein eigenes Waschmittel selbst herstellt. 

Das Rezept dazu findet ihr hier:

4-5 Kastanien werden in ein Geschirrtuch eingeschlagen und mit dem Hammer zerkleinert, alternativ geht auch ein Hochleistungsmixer (Achtung: Nicht jeder Mixer schafft das!) oder ein scharfes Messer

die Stücke füllt man in ein Glas und übergiesst das Ganze mit heißem Wasser, über Nacht stehen lassen

am nächsten Tag wird die trübe milchige Flüssigkeit durch ein Sieb gegossen und der Sud, wie sonst üblich ins Waschmittelfach der Waschmaschine gegeben.

Im Kühlschrank ist es eine Woche lang haltbar. Die zerkleinerten Kastanien dürfen auf den Kompost!

Es ist auch möglich, die zerkleinerten Kastanien in ein Wäschenetz o.ä. zu geben und direkt in die Waschmaschine zur Wäsche zu legen.

Mit Essig kann man sich bei sehr hartem, kalkhaltigem Wasser behelfen.

 

Mit Duftölen kann nach Geschmack der Duft der Wäsche verändert werden. Wer es nur "sauber" mag, lässt das weg. 

Variante 2:

Bei uns muss alles etwas schnell gehen und ich bin deshalb gern bereit, ein wenig Vorarbeit zu leisten. Daher haben wir unsere gesammelten Kastanien, es waren 150 Stück, im Thermomix zerkleinert, zwei Tage im Dörrgerät bei 40°C getrocknet und anschliessend mit dem Mixer zu feinem Pulver vermahlen. 

Man benötigt ungefähr 2-4 EL Pulver, abhängig davon, wie stark die Wäsche verschmutzt ist, um zu waschen. Durch die Herstellung des "Waschpulvers" umgehe ich die Möglichkeit, dass die Kastanien schimmeln könnten oder der Sud unbrauchbar wird, weil er nur begrenzt lagerfähig ist. Das Pulver wird mit 200-300ml Wasser aufgegossen und wie ihr erkennen könnt, die Saponine tun, was sie tun sollen...

Auch diese Lösung wird über ein Sieb abgegossen und kann direkt verwendet werden. Eine weitere Möglichkeit ist es, das Pulver in ein engmaschiges Gazenetz zu füllen, fest zu verschliessen und direkt in die Wäsche zu geben.


Ich denke, das Prinzip ist klar. Weitere Tips und Hinweise zu dem Thema erhaltet ihr über diese Seiten:

http://leben-ohne-plastik.de

http://wastelandrebel.com

http://experimentselbstversorgung.net

 

Das Netz ist voll von Anregungen! Was uns aber aufgefallen ist: Bitte verwendet nur ausschliesslich biologische, hautverträgliche und unbedenkliche ätherische Öle, um Irritationen der Haut vorzubeugen. Auf einigen Seiten wird das nicht beachtet. Wer sein eigenes Öl herstellt, hat dieses Problem nicht. Ich habe die gute Erfahrung gemacht, nur das auf meine Haut zu lassen, was ich auch unbedenklich essen würde. Da Waschmittelreste unter Umständen in der Kleidung verbleiben können, gilt das auch hier. Chemische Waschmittel lassen unsere Kleidung aus diesem Grund so gut riechen und machen sie "fühlbar" sauber. Ob das im Sinne des Verbrauchers liegt, muss jeder selbst entscheiden.

Teil 2: Waschen mit Efeu

folgt demnächst... ; )